"Ihre Werte sind alle normal"
09.04.2026

Was "alles normal" wirklich bedeutet
- "Normal" heißt oft nur: nicht krank genug
- Ferritin, Vitamin D, Omega-3: fehlen im Standard-Blutbild
- Erst messen, dann handeln
Normal heißt: nicht krank genug
„Ihre Werte sind alle normal“ ist der Satz, der am meisten frustriert, weil er stimmt und trotzdem nicht hilft. Normal heißt in der Labormedizin: du liegst innerhalb des Referenzbereichs. Und dieser Referenzbereich bildet 95 % der Bevölkerung ab. Das Problem: Wenn die Hälfte der Bevölkerung einen suboptimalen Vitamin-D-Spiegel hat, dann ist „suboptimal“ statistisch gesehen normal.
Ein Ferritin von 18 ng/mL gilt beim Hausarzt als normal. Der Referenzbereich beginnt erst bei 15 ng/mL. In der funktionellen Diagnostik ist das bereits eine fortgeschrittene Eisenverarmung. Eine systematische WHO-Übersicht zeigt: Wenn das Knochenmark komplett eisen-leer ist, liegt der mittlere Ferritin-Wert bei 15,1 µg/L (Garcia-Casal et al., 2018 [1]). Das heißt: Der untere Standard-Referenzbereich liegt praktisch auf dem Niveau eines leeren Speichers.
Das ist nicht die Schuld deines Hausarztes. Er arbeitet mit dem System, das er hat. Aber das System ist darauf ausgelegt, Krankheiten zu diagnostizieren, nicht Potenzial zu erkennen. Und genau da liegt die Lücke.
Was dein Hausarzt nicht testet
Ein großes Blutbild klingt nach viel. In Wirklichkeit misst es vor allem die Zellzahlen deines Blutes: rote und weiße Blutkörperchen, Blutplättchen, Hämoglobin. Das sind wichtige Werte, aber sie sagen nichts über deinen Eisenspeicher, deine Schilddrüsenfunktion, deinen Vitamin-D-Spiegel oder deinen Langzeitblutzucker.
Die Werte, die bei Erschöpfung, Konzentrationsproblemen und diffusem Unwohlsein am häufigsten auffällig sind, werden in einem Standard-Blutbild schlicht nicht mitbestimmt:
- Ferritin (Eisenspeicher): Wird selten angefordert, obwohl Eisenmangel ohne Anämie die häufigste Nährstoffdefizienz weltweit ist
- Vitamin D (25-OH): Keine Kassenleistung ohne konkreten Verdacht, obwohl über 60 % der Deutschen unterversorgt sind
- Schilddrüse (TSH, freies T3, freies T4): Oft wird nur TSH bestimmt, nicht die aktiven Hormone
- HbA1c (Langzeitblutzucker): Zeigt Insulinresistenz früher als der Nüchternblutzucker, wird aber nur bei Diabetes-Verdacht gemessen
- Vitamin B12: Besonders relevant bei vegetarischer/veganer Ernährung, wird im Routine-Check nicht mitbestimmt
5 Supplements im Schrank, keine Ahnung ob eins davon wirkt. Das ist nicht gezielt. Das ist Gießkanne. Und genau das passiert, wenn die Datenbasis fehlt.
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Was ich bei Patientinnen immer wieder sehe
Ganz ehrlich: Das Muster ist fast immer das gleiche. Die Frau kommt, ist 32 bis 48, arbeitet viel, kümmert sich um alle außer sich selbst, und sagt: „Ich bin einfach nur müde. Aber nicht die Sorte müde, die mit Schlaf weggeht.“ Sie war beim Hausarzt. Blutbild normal. Schilddrüse? TSH knapp unter 4. Normal. Ferritin? Wurde gar nicht gemessen.
Und dann schauen wir uns das mal richtig an. Ferritin bei 22. Vitamin D bei 28. TSH bei 3,8 mit einem freien T3 am unteren Rand. Jeder einzelne Wert: laut Referenzbereich „noch normal“. Aber in Kombination ergibt sich ein Bild, das ihre Erschöpfung komplett erklärt.
Eine Meta-Analyse von sechs randomisierten Studien zeigt: Schon bei Ferritin unter 50 µg/L verbessert Eisensupplementierung die Erschöpfung signifikant, mit einer Effektstärke von 0,33 (Yokoi & Konomi, 2017 [2]). Alle diese Frauen hatten ein normales Hämoglobin. Was nicht normal war: ihr Ferritin.
Genau deshalb sage ich meinen Patientinnen: Nicht auf Verdacht supplementieren. Erst messen, dann handeln. Messen, machen, messen.
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Dein nächster Schritt
Was ich dir mitgeben will: Wenn du dich nicht gut fühlst und jemand sagt „Ihre Werte sind alle normal“. Dann heißt das nicht, dass du dir das einbildest. Es heißt nur, dass nicht tief genug geschaut wurde.
Genau dafür haben wir aescolab gegründet: eine venöse Blutanalyse mit über 50 Biomarkern, speziell für Frauen, die mehr wissen wollen als „alles normal“. Mit Report, Einordnung und konkretem Fahrplan. Ferritin, Schilddrüse, Vitamin D, HbA1c, alles in einer Analyse.
Nicht alles umkrempeln. Mehr von dem, was wirkt. Weniger von dem, was bremst. Und vor allem: nicht raten, sondern messen.
Wissen, wo du stehst. Nicht auf Verdacht, sondern mit Daten.
Häufige Fragen
Reicht ein großes Blutbild aus, um Nährstoffmängel zu erkennen?
Nein. Ein großes Blutbild misst die Zellzahlen deines Blutes (Erythrozyten, Leukozyten, Thrombozyten, Hämoglobin), aber keine Nährstoffwerte wie Ferritin, Vitamin D, Vitamin B12 oder Schilddrüsenhormone. Diese müssen separat angefordert werden, und werden beim Routine-Check selten automatisch mitbestimmt.
Kann ich Nährstoffmängel haben, obwohl mein Blutbild normal ist?
Ja. Eisenmangel ohne Anämie (IDNA) ist die häufigste Nährstoffdefizienz weltweit. Dein Hämoglobin kann völlig normal sein, während dein Eisenspeicher (Ferritin) bereits kritisch niedrig ist. Ähnlich kann dein TSH grenzwertig sein, ohne dass eine Schilddrüsenunterfunktion diagnostiziert wird, obwohl du Symptome hast.
Welche Blutwerte sollte ich testen lassen, wenn ich ständig müde bin?
Die wichtigsten Werte bei unerklärter Erschöpfung: Ferritin (Eisenspeicher), Vitamin D, TSH + freies T3 + freies T4 (Schilddrüse), HbA1c (Langzeitblutzucker) und Vitamin B12. aescolab testet über 50 Biomarker in einer venösen Blutanalyse, inkl. Optimalbereiche, nicht nur Standard-Referenzbereiche.
Was ist der Unterschied zwischen Normbereich und Optimalbereich?
Der Normbereich (Referenzbereich) bildet 95 % der Bevölkerung ab, inkl. Menschen mit suboptimaler Versorgung. Der Optimalbereich zeigt den Zielbereich, in dem dein Körper am besten funktioniert. Beispiel: Ferritin-Standard beginnt bei 15 ng/mL, optimal liegt zwischen 50 und 130 ng/mL. Im aescolab Report siehst du beides nebeneinander.
Studienreferenzen
- Garcia-Casal MN, Pasricha SR, Martinez RX, et al. Are Current Serum and Plasma Ferritin Cut-offs for Iron Deficiency and Overload Accurate and Reflecting Iron Status? A Systematic Review. Arch Med Res. 2018;49(6):405-417. PMID: 30573199.
- Yokoi K, Konomi A. Iron deficiency without anaemia is a potential cause of fatigue: meta-analyses of randomised controlled trials and cross-sectional studies. Br J Nutr. 2017;117(10):1422-1431. PMID: 28625177.
- Vaucher P, Druais PL, Waldvogel S, Favrat B. Effect of iron supplementation on fatigue in nonanemic menstruating women with low ferritin: a randomized controlled trial. CMAJ. 2012;184(11):1247-54. PMID: 22777991.
- Baldini M, et al. Neuropsychological functions and metabolic aspects in subclinical hypothyroidism: the effects of L-thyroxine. Prog Neuropsychopharmacol Biol Psychiatry. 2009;33(5):854-9. PMID: 19389454.
Über den Autor
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Ruth Biallowons
CMO & Co-Founder
Ruth Biallowons ist Fachärztin für Allgemeinmedizin mit Spezialisierung auf funktionelle Medizin und über 18 Jahren klinischer Erfahrung. Als Mitgründerin und Chief Medical Officer von aescolab verbindet sie fundiertes medizinisches Fachwissen mit einer praxisnahen Vision für personalisierte Gesundheitslösungen. Daneben leitet sie Biallomed, eine der führenden Privatpraxen für funktionelle Diagnostik in Deutschland.
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